Ein Raum, drei Länder: Bewusstsein und Wirkung einer geteilten ‚Benelux-Identität‘ in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg

Inhaltsverzeichnis

Was verbindet Belgien, die Niederlande und Luxemburg wirklich? Diese Studie untersucht erstmals empirisch, ob es eine gemeinsame Benelux-Identität gibt. Im Fokus stehen affektive, kulturelle sowie wirtschaftliche und politische Variablen, die auf das Bewusstsein und die Wirkung dieser transnationalen Identität Einfluss nehmen.

Einleitung

Der Beneluxraum ist eine wirtschaftliche, politische und kulturelle Kernregion im Herzen Europas, der aufgrund ihrer diversen Verflechtungen eine gewisse Zusammengehörigkeit und kollektive Identität zugesprochen wird (cf. Schürings 2017: 48). Eine grenzüberschreitende Einheit wird den drei Ländern oft von außen aufgrund ihrer gemeinsamen europapolitischen Erfolge und des seit nun mehr als 80 Jahren bestehenden Benelux-Verbands zugeschrieben. Die Bürger*innen aus Belgien, den Niederlanden und Luxemburg definieren sich auf den ersten Blick hingegen über ihre historischen und kulturellen Differenzen (cf. ibid.). Gleichwohl wird insbesondere in politischen und wirtschaftlichen Kontexten in allen drei Benelux-Ländern auf eine gemeinsame Benelux-Identität verwiesen bzw. dient sie als Grundlage für gemeinsames Handeln (cf. Heirbaut 2025).

Die empirische Erforschung (über-)regionaler und transnationaler Identitäten hat seit Beginn der 1980er Jahre Konjunktur und ist insbesondere im Bereich der europäischen Identitätsforschung in verschiedenen Disziplinen zu einem zentralen Gegenstand avanciert (cf. Ritter 2010: 95). Bisher war die kollektive Identität im Beneluxraum nicht Gegenstand einer empirischen Untersuchung. Vor dem Hintergrund dieser Forschungslücke widmet sich die vorliegende Studie der Untersuchung verschiedener Variablen, die sowohl auf das Bewusstsein als auch auf die Wirkung einer gemeinsamen Benelux-Identität Einfluss nehmen. Dazu erfolgt zunächst eine kurze Begriffsdiskussion des Konzeptes der ‚Identität‘, die den Ausgangspunkt für die Konzeption des Forschungsprojekts bildet. Daraufhin werden Forschungsdesign und -methodik präsentiert, um im Anschluss die generierten Daten vorzustellen und zu interpretieren.

Theoretischer Hintergrund: kollektive, nationale und transnationale Identitäten

Für eine Studie, die eine transnationale Identität untersuchen möchte, ist es unerlässlich, den Begriff in einem ersten Schritt theoretisch zu erschließen. ‚Identität‘ ist in ihrer Bedeutung komplex und höchst heterogen, da sie in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen ein wichtiger Forschungsgegenstand ist. Allgemein weist sie einerseits eine innere, persönliche Facette auf, die als individuelle Identität bezeichnet wird und die Gesamtheit aller Eigenschaften darstellt, die das Individuum einzigartig macht, und andererseits eine äußere Komponente, die mit der Außenwelt des Individuums bzw. dem dahinterstehenden gesellschaftlichen Kollektiv korreliert und demnach als kollektive Identität bezeichnet wird (cf. Zimmermann 1992: 77). Folglich sind individuelle und kollektive Identität untrennbar, da „der Mensch seine Personalität nur über Strukturen von Kollektivität ausdrücken […] kann“ (Erchinger 2010: 24). Auch wenn Identität sich nur „in der [kollektiven] Vermittlung durch Kultur verwirklichen“ (ibid.: 24) kann, ist sie dennoch nicht fest an eine einzelne Kultur oder Nation gebunden. Vielmehr entsteht sie im Prozess des Wandels, also im „Übergang zwischen dem, was sie aktuell ist und dem, was sie potentiell sein kann“ (ibid.: 25). Unter dem Einfluss politischer, gesellschaftlicher und historischer Faktoren sowie durch intensive Dialoge können mehrere Kulturen somit in einer transnationalen Identität Ausdruck finden. Die Formung einer Identität ist überdies in keiner Weise exklusiv, denn jedes Individuum kann sich mehreren Kollektiven zugehörig fühlen und so eine Mehrfachidentität entwickeln (cf. Reese-Schäfer 2019: 154).

Im Gegensatz zu nationalen Identitäten, die durch Dimensionen wie Patriotismus, Nationalismus und Nationalstolz charakterisiert und operationalisiert werden (cf. Kneidinger 2013: 77 ff.), handelt es sich bei transnationalen Identitäten um solche Identitätsformen, die eine „lockere Textur“ (Reese-Schäfer 2019: 147) aufweisen und „jenseits der bisherigen nationalstaatlichen Identifizierungsformen angesiedelt [sind], ohne diese aber wirklich aufzulösen oder gar zu überwinden“ (ibid.: 148). Damit stellen transnationale Identitäten nach Kneidinger die „am weitesten gefasste Ebene geopolitischer Identität“ dar (2013: 92).

Im Falle der vorliegenden Studie wird unter diesen Begriff sowohl die Identifikation mit den drei Benelux-Ländern als geteilte kulturelle, politische und wirtschaftliche Bezugsregion als auch, wenn in den entsprechenden Items explizit so angegeben, die Identifikation mit Europa gefasst. Zudem gilt es zu beachten, dass das Konzept der transnationalen Identität und damit auch die Benelux-Identität als Konstrukte verstanden werden. Dieser Ansatz erlaubt es, nationale Identitätsbildungsprozesse als Ergebnis von sprachlicher und diskursiver Verfertigung zu analysieren (cf. Wodak et al. 1998: 41 ff.). Es geht in der Studie somit darum, erstmals einen Blick auf eine mögliche Figuration des Beneluxraums als gefühlte Gemeinschaft zu werden und nach einer transnationalen Identität in diesem Staatenverbund zu fragen.

Forschungsdesign und -methodik

Stichprobe

Bei den befragten Personen handelt es sich um Bürger*innen aus dem Beneluxraum, d. h. belgische, niederländische und luxemburgische Staatsangehörige, oder aber solche Personen, die in einem der drei Länder derzeit ansässig sind. Von den insgesamt 304 Teilnehmenden wurde 249 in die Analyse aufgenommen, wohingegen 55 mangelhaft ausgefüllte Datensätze verworfen wurden. Zu den 249 untersuchten Teilnehmenden können folgende demografische Aussagen getroffen werden:

Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3

Erhebungsinstrument

Die Datenerhebung wurde über den Befragungsserver LimeSurvey konzipiert und basiert auf einem quantitativen Online-Fragebogen. Dieses Vorgehen erlaubt eine gute Erreichbarkeit der Teilnehmenden, die die Befragung orts- und zeitunabhängig durchführen können und im Rahmen der trinationalen Studie eine höhere Rücklaufquote ermöglicht. Dank eines standardisierten Vorgehens in Form einheitlicher Anschreiben, Kontaktierungswege und eines supplementären Informationsschreibens wird die Durchführungsobjektivität gewahrt.

Die konkrete Konzeption des Fragebogens erfolgt auf Basis aktueller Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Europa-, Politik- und Gesellschaftswissenschaften (cf. Fuß 2006, Laux 2006, Klein 2014), wodurch der Notwendigkeit einer hinreichenden Berücksichtigung der Reliabilität und Inhaltsvalidität Rechnung getragen wird.

Auswertungsmethoden

Die Auswertung der quantitativen Daten erfolgt mittels der statistischen Software SPSS und ist methodisch im Bereich der deskriptiven Statistiken verortet. Zusätzlich wird durch die Bestimmung der Cronbachschen Alphas eine Reliabilitätsanalyse durchgeführt, um die interne Konsistenz der abgebildeten Konstrukte zu prüfen, d. h. die Stärke der Beziehung zwischen den Items innerhalb einer Fragengruppe.

Ergebnisdarstellung

Affektive Dimension

In einem ersten Fragenset wurde die Identifizierung mit dem Beneluxraum auf affektiver Ebene erfragt.

Über welche Territorien und Regionen definieren sich die Befragten?

Als Antwort auf die Frage, ob sich der/die Teilnehmende als Bürger*in des entsprechenden Landes, als Bürger*in des Landes und als Benelux-Bürger*in oder aber als Europäer*in und Benelux-Bürger*in definiert (Abb. 4), gaben 42 % der Befragten an, sich über ihr jeweiliges Land zu definieren, wohingegen 30 % der Teilnehmenden sich sowohl als Europäer als auch Benelux-Bürger definieren. Rund ein Fünftel der Befragten kann sich mit keiner der genannten Auswahlmöglichkeiten identifizieren, während die Kombination aus nationaler Selbstdefinition und der Identifizierung mit dem Beneluxraum nur von 6 % gewählt wurde.

Betrachtet man dieses Ergebnis in Abhängigkeit zu der zuvor erfragten Nationalität, variieren die Werte (Abb. 4). Unter den befragten Belgier*innen gibt mehr als die Hälfte an, sich nur als Belgier*in zu sehen, gefolgt von rund einem Viertel, das sich über Europa und den Beneluxraum definiert. Diese Tendenz ist bei den Niederländer*innen ähnlich, jedoch ist die ausschließliche Definition über das Heimatland etwas geringer, und über Europa und den Beneluxraum stärker ausgeprägt. In Luxemburg gibt hingegen die Mehrheit an, sich als Europäer*innen und Benelux-Bürger*innen zu definieren, und auch die synchrone Definition über Luxemburg und den Beneluxraum ist hier am höchsten ausgeprägt. Jene Teilnehmenden, die nicht aus einem der drei Länder stammen, geben mehrheitlich an, dass keine der Aussagen zutreffend ist, jedoch erreicht die Identifikation mit Europa und dem Beneluxraum in dieser Kategorie ebenfalls einen Höchstwert, der nur in Luxemburg geringfügig höher ausfällt.

Abb. 4

Fühlen sich die Befragten mit dem Beneluxraum verbunden?

In Belgien zeigt sich mehrheitlich eine Verbundenheit mit dem Benelux-Raum. Etwa 40 % der Befragten geben an, dass die Aussage „Mit dem Beneluxraum fühle ich mich verbunden.“ eher zutrifft, während ca. 20 % ihr voll und ganz zustimmen. Demgegenüber stehen etwa 27 %, die eher nicht zustimmen, sowie ungefähr 14 %, die angeben, dass die Aussage gar nicht zutrifft. Insgesamt überwiegt somit eine positive, wenn auch nicht sehr starke Identifikation.

In den Niederlanden fällt die Zustimmung etwas differenzierter aus. Rund 42 % der Befragten stimmen der Aussage eher zu, während lediglich etwa 6 % angeben, dass sie voll und ganz zutrifft, wodurch in der Summe keine zustimmende Mehrheit vorliegt. Gleichzeitig äußern etwa 33 % eher keine Zustimmung, und rund 18 % lehnen die Aussage vollständig ab.

In Luxemburg ist die Verbundenheit mit dem Beneluxraum besonders hoch: Etwa 54 % der Befragten geben an, dass die Aussage eher zutrifft, während rund 40 % ihr voll und ganz zustimmen. Demgegenüber stehen nur etwa 7 %, die eher nicht zustimmen, während eine vollständige Ablehnung in der Stichprobe nicht vorliegt. Damit weist Luxemburg unter den drei Ländern mit einer zustimmenden Mehrheit von 94 % das stärkstes Verbundenheitsgefühl mit dem Beneluxraum auf.

Bei Befragten aus anderen Ländern ergibt sich ein ausgeglicheneres Bild. Jeweils 35 % geben an, dass die Aussage voll und ganz zutrifft beziehungsweise eher zutrifft, wodurch sich in der Summe eine zustimmende oder eher zustimmende Mehrheit bildet. Gleichzeitig stimmen rund 17 % eher nicht zu, während ungefähr 11 % angeben, dass die Aussage gar nicht zutrifft.

Abb. 5

Was verbinden die Befragten mit dem Beneluxraum?

Um ein inhaltlich weiter ausdifferenziertes Bild über die vorherige Frage zu erlangen, wurde untersucht, was die Befragten mit dem Beneluxraum konkret verbinden, wobei die geografische Nähe, der grenzüberschreitende Kontakt, die geteilte Kultur und Geschichte sowie die Arbeit bzw. geschäftliche Beziehungen als vier mögliche Bereiche angekreuzt werden konnten, über die ein mögliches, auf den Beneluxraum ausgerichtetes Gemeinschaftsgefühl generiert wird (Abb. 6).

In Belgien wird der Beneluxraum vor allem mit der geografischen Nähe verbunden (39 %), während die geteilte Kultur und Geschichte mit 30 % an zweiter Stelle stehen. Der grenzüberschreitende Kontakt mit 20 % und die geschäftlichen Beziehungen mit 10 % sind die am wenigsten genannten Faktoren. Auch in den Niederlanden ist die geografische Nähe mit 45 % der präsenteste Bezug zum Beneluxraum. Danach folgen die geteilte Kultur und Geschichte mit 30 %, während die Arbeitsbeziehungen mit 14 % und der grenzüberschreitende Kontakt mit 11 % am seltensten genannt werden. In Luxemburg unterscheidet sich das Bild etwas: Dort sind die geteilte Kultur und Geschichte mit 39 % der wichtigste Bezugspunkt. Darauf folgt die geografische Nähe mit 35 %, während der grenzüberschreitende Kontakt bei 22 % lieg. Arbeit bzw. Geschäftsbeziehungen spielen mit 4 % eine untergeordnete Rolle. Bei Befragten aus anderen Ländern dominiert deutlich die Arbeit mit 44 %, gefolgt von der geografischen Nähe mit 25 %. Der grenzüberschreitender Kontakt mit 16 % wie auch die geteilte Kultur und Geschichte mit 15 % werden deutlich seltener genannt.

Im Gesamtdurchschnitt wird der Beneluxraum überwiegend über die geografische Nähe zu den Nachbarländern sowie eine gemeinsame Kultur und Geschichte wahrgenommen. Der grenzüberschreitende Kontakt und die Arbeit stellen, wenn auch schwächer ausgeprägt, ebenso Faktoren dar, auf die die Befragten hinsichtlich der Motivation ihres Gemeinschaftsgefühls verweisen.

Abb. 6

Sind die Befragten stolz darauf, Bürger*innen im Beneluxraum zu sein?

In dem letzten Item aus dem Bereich der affektiven Identifizierung mit dem Beneluxraum wurde der Frage nachgegangen, inwiefern die Befragten der Aussage „Bürger im Beneluxraum zu sein macht mich stolz“ zustimmen (Abb. 7).

In Belgien überwiegt eine positive Bewertung der Aussage. 55 % der Befragten geben an, dass die Aussage eher zutrifft, während 15 % ihr voll und ganz zustimmen. Demgegenüber stehen ca. 22 %, die eher nicht zustimmen, sowie 8 %, die die Aussage gar nicht zutreffend finden.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in den Niederlanden ab. Hier stimmen etwa 52 % der Aussage eher zu, während lediglich rund 6 % angeben, dass sie voll und ganz zutrifft. Etwa 26 % äußern eher keine Zustimmung, und ungefähr 16 % lehnen die Aussage vollständig ab.

In Luxemburg ist die Zustimmung am stärksten ausgeprägt. Etwa 69 % der Befragten geben an, dass die Aussage eher zutrifft, während rund 11 % ihr voll und ganz zustimmen. Demgegenüber stehen nur etwa 15 %, die eher nicht zustimmen, sowie ungefähr 5 %, die die Aussage gar nicht zutreffend finden. Damit zeigt Luxemburg, bezogen auf die Variable „Stolz“, insgesamt die höchste positive Identifikation mit dem Benelux-Raum.

Bei Befragten aus anderen Ländern fällt das Bild deutlich gemischter aus. Hier stimmen etwa 31 % der Aussage eher zu, während rund 19 % voll und ganz zustimmen. Gleichzeitig äußern etwa 26 % eher keine Zustimmung, und ungefähr 24 % geben an, dass die Aussage gar nicht zutrifft, wodurch sich eine deutlich stärkere Varianz abzeichnet.

Abb. 7

Kulturelle Dimension

Abb. 8

Diese Grafik visualisiert die Ergebnisse zu den Fragen, die sich der kulturellen Dimension der Benelux-Identität widmen. Dieses Set besteht aus vier Aussagen, die die Teilnehmenden auf einer vierstufigen Zustimmungsskala bewerten konnten (1 = gar nicht, 2 = eher nicht, 3 = trifft eher zu, 4 = voll und ganz).

Benelux als gemeinsamer Kulturraum

Zu der Aussage, dass die Benelux-Länder einen Kulturraum bilden, der sich von anderen mitteleuropäischen Ländern unterscheide, zeigen sich moderate Zustimmungswerte. In Belgien liegt der Mittelwert bei 2,6, während die Niederlande mit 2,4 etwas geringere Zustimmung aufweisen. In Luxemburg wird mit 2,8 der höchste Wert unter den drei Benelux-Staaten erreicht. Die Gruppe der Befragten aus anderen Länder liegt mit 2,5 auf einem mittleren positiven Zustimmungsniveau wie die Niederlande.

Vertrautheit mit den kulturellen Beziehungen

Die zweite Aussage soll erfassen, inwieweit die Befragten mit den kulturellen Beziehungen zwischen den Benelux-Staaten vertraut sind, wobei sich insgesamt höhere Werte als bei der vorherigen Frage zeigen. In Belgien liegt der Mittelwert bei 2,9, in den Niederlanden bei 2,7. Besonders hoch ist der Wert in Luxemburg mit 3,5, was auf eine große Vertrautheit mit den kulturellen Beziehungen im Benelux-Raum hinweist. Die Befragten aus anderen Ländern erreichen einen Wert von 2,7 und liegen damit in einem ähnlichen Bereich wie die Niederlande.

Benelux-Kooperationen als Motor für eine kulturelle europäische Identität

Die dritte Aussage betrifft die Einschätzung, ob die Kooperationen zwischen den Benelux-Staaten ein Motor für eine kulturelle europäische Identität darstellen. Auch hier wird in Luxemburg mit 3,3 der höchsten Zustimmungswert erreicht. In Belgien wird ein Wert 2,6 erzielt, während er in den Niederlanden mit 2,3 am niedrigsten ausfällt. Die Gruppe der anderen Länder liegt mit 2,5 zwischen Belgien und den Niederlanden.

Gemeinsame Geschichte und kulturelles Gedächtnis

Die letzte Aussage thematisiert die Bedeutung der gemeinsamen Geschichte der drei Benelux-Staaten als Grundlage für ein aktuelles gemeinsames kulturelles Gedächtnis. Die Werte liegen hier nah beieinander. Belgier*innen stimmen der Aussage mit dem Wert 2,6 zu, die Niederländer*innen mit 2,5. In Luxemburg liegt der Wert mit 3,3 erneut deutlich höher als in den anderen Gruppen. Die Befragten aus anderen Ländern stimmen der Aussage mit einem durchschnittlichen Wert von 2,7 zu.

Wirtschaftliche und politische Dimension

Die folgende Grafik visualisiert die Ergebnisse zu den Fragen, die der Dimension „Politik und Wirtschaft“ zuzuordnen sind. Dieses Modul besteht wie auch das vorherige aus vier Aussagen, die die Teilnehmenden auf einer vierstufigen Zustimmungsskala bewerten konnten (1 = gar nicht, 2 = eher nicht, 3 = trifft eher zu, 4 = voll und ganz).

Abb. 9

Vertrautheit mit den wirtschaftlichen und politischen Beziehungen

Bei der Aussage, dass die Befragten mit den wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen den drei Ländern vertraut sind, zeigen sich mittlere Zustimmungswerte. In Belgien liegt der Mittelwert bei 2,7 und in den Niederlanden etwas niedriger bei 2,5. In Luxemburg wird mit 3,2 der höchste Wert erreicht, wodurch sich damit die stärkste Vertrautheit mit den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen im Benelux-Raum zeigt. Die Gruppe der anderen Länder liegt mit 2,7 auf dem gleichen Niveau wie Belgien.

Bedeutung der grenzüberschreitenden Kooperation

Die zweite Aussage bezieht sich auf die Bedeutung der grenzüberschreitenden Kooperation der Benelux-Länder, auch im Verbund mit anderen Staaten wie Deutschland und Frankreich. Hier zeigen sich insgesamt relativ hohe Zustimmungswerte. In Belgien liegt der Mittelwert bei 3,5. Während er in den Niederlanden einen geringfügig niedrigeren Wert von 3,4 aufweist, ist er in Luxemburg mit 3,7 deutlich erhöht. Die Befragten aus anderen Ländern stimmen der Aussage ebenfalls deutlich zu und erreichen mit 3,5 einen ähnlich hohen Wert.

Politische Verfolgung gemeinsamer Werte und Ziele

Hinsichtlich der Einschätzung zu der Aussage, dass es wichtig ist, dass die Benelux-Länder gemeinsame Werte und Ziele vertreten und politisch verfolgen, zeigt sich eine relativ hohe Zustimmung. Die Belgier*innen erreichen einen Mittelwert von 3,1, während die Niederländer*innen mit 2,7 etwas niedriger liegen. Die Luxemburger*innen weisen mit 3,7 den höchsten Wert auf. Die Gruppe der anderen Länder liegt mit 3,0 erneut auf einem ähnlichen Niveau wie Belgien.

Schutz und Förderung der wirtschaftspolitischen Vorteile

Diese Aussage thematisiert die wirtschaftspolitischen Vorteile, die durch den Staatenverbund entstanden sind und ob es diese zu schützen und zu fördern gilt. In Belgien bewegt sich der Wert bei 3,4, in den Niederlanden bei 3,1 und in Luxemburg bei 3,6 und damit erneut über den anderen Gruppen. Die Befragten aus anderen Ländern stimmen der Aussage mit etwa 3,2 ebenfalls deutlich zu.

Bewusstsein für die Vorteile der Benelux-Union

In dem letzten Fragenset wurde Faktoren hinsichtlich des Bewusstseins für die Vorteile, die die Mitgliedschaft in der Benelux-Union bedeutet, erfragt.

Wahrgenommener Vorteil der Mitgliedschaft in der Union

Abb. 10

In Belgien stimmt die Mehrheit der Befragten der Aussage zu, denn 58 % sind der Ansicht, dass ihr Land von der Mitgliedschaft in der Benelux-Union profitiert. 16 % geben an, weder Vorteile noch Nachteile wahrzunehmen, während 22 % der Befragten mit „Ich weiß es nicht“ antworten. Eine klare Ablehnung der Aussage formulieren nur 4 %.

In den Niederlanden fällt die Zustimmung geringer aus. 39 % der Befragten stimmen der Aussage zu, jedoch ist der Anteil neutraler Antworten gleichzeitig ebenso hoch: 32 % geben an, weder Vorteile noch Nachteile wahrzunehmen. Weitere 29 % antworten mit „Ich weiß es nicht“. Eine komplette Ablehnung ist in dieser Gruppe nicht vertreten.

In Luxemburg zeigt sich auf der anderen Seite die stärkste Zustimmung. 92 % der Befragten stimmen der Aussage zu, dass ihr Land von der Mitgliedschaft in der Benelux-Union profitiert. Nur 8 % nehmen weder Vorteile noch Nachteile wahr. Antworten der Kategorie „Ich weiß es nicht“ oder „Weder Vorteile noch Nachteile“ treten in dieser Gruppe nicht auf.

Bei den Befragten aus anderen Ländern liegt die Zustimmung auf belgischem Niveau. 54 % stimmen der Aussage zu, während 17 % angeben, weder Vorteile noch Nachteile wahrzunehmen. Ungefähr 26 % antworten mit „Ich weiß es nicht“, während 3 % der Aussage nicht zustimmen.

Konkrete Bereiche der wahrgenommenen Vorteile

Im Anschluss an die vorherige Frage wurden die Facetten der wahrgenommenen Vorteil in Form von sieben Bereichen der potenziellen Lebenswelt der Befragten konkretisiert. Da Mehrfachnennungen möglich waren, können die Prozentsummen innerhalb der Länder insgesamt bei über 100 % liegen.

Abb. 11

Bei der Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung in der Energieversorgung wird der Vorteil vor allem von Befragten aus anderen Ländern gesehen, von denen 17 % diesen Bereich nennen. In den Niederlanden und Belgien liegt der Anteil jeweils bei 13–14 %. In Luxemburg ist der Anteil mit 5 % vergleichsweise gering. Im Bereich der Innovation in der Digitalisierung werden insgesamt niedrigere Werte erreicht. In Belgien und den Niederlanden nennen 7 % der Befragten diesen Aspekt. In Luxemburg liegt der Wert bei 2 %, während Befragte aus anderen Ländern diesen Bereich mit 4 % ebenfalls selten nennen. Die gemeinsame Nachhaltigkeitsstrategie, zum Beispiel in Form grüner Mobilität sowie emissionsfreien Transports, wird etwas häufiger als Vorteil wahrgenommen. In Belgien und der Gruppe der anderen Länder liegt der Anteil bei 12 %, während die Niederlande einen Wert von 17 % und Luxemburg von 7 % erreichen. Die wirtschaftliche Kooperation stellt den am häufigsten genannten Vorteil einer Mitgliedschaft in der Benelux-Union dar. Besonders hoch ist der Anteil bei den Befragten aus Luxemburg mit 25 %. In den Niederlanden, in Belgien und in der Gruppe der Befragten aus anderen Ländern erreichen ähnliche Werte zwischen 19–21 %. Die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung, zum Beispiel in der Lebensmittelsicherheit oder im Krankentransport, wird ebenfalls als Vorteil wahrgenommen. In Belgien nennen 11 % diesen Bereich, in den Niederlanden 12 %. In Luxemburg liegt der Anteil mit 18 % am höchsten. Befragte aus anderen Ländern nennen diesen Bereich mit 14 %. Die grenzüberschreitende Polizeiarbeit zur Bekämpfung von Kriminalität wird mit 20 % besonders häufig von Befragten aus Luxemburg hervorgehoben. In den Niederlanden und in der Gruppe der Befragten aus anderen Ländern nennen 15 % diesen Aspekt, während er in Belgien bei 18 % liegt. Die Möglichkeit, in den anderen beiden Ländern zu studieren und die Abschlüsse anerkannt zu bekommen, wird von 18 % der belgischen Befragten genannt und in den Niederlanden von 16 %. In Luxemburg wird mit 23 % der höchste Wert erzielt, während Befragte aus anderen Ländern diesen Bereich mit etwa 17 % nennen.

Bezogen auf dieses Item zeigt sich zusammenfassend, dass die wirtschaftliche, polizeiliche und bildungspolitische Zusammenarbeit der Benelux-Union zu den am häufigsten wahrgenommenen Vorteilen zählen. Digitalisierung, Energie- und Gesundheitsversorgung sowie Nachhaltigkeit stehen hingegen seltener im Zentrum der Wahrnehmung der Befragten.

Einfluss der Vorteile auf Leben und Region

Als Fortführung der vorherigen Frage wurde ermittelt, auf welcher Ebene die verschiedenen wahrgenommenen Vorteile Einfluss ausüben, wobei die Mikroebene des eigenen Lebens, die Mesoebene der entsprechenden Heimatregion, z. B. in Hinblick auf die Grenzregionen, sowie die Makroebene der drei Länder als Ganzes zur Auswahl standen. Mehrfachantworten waren zulässig.

Abb. 12

Mehr als die Hälfte der belgischen Befragten (53 %) sieht den Einfluss der verschiedenen Faktoren vor allem auf der nationalen Ebene der Benelux-Staaten. Rund ein Viertel (27 %) nennt ihre Heimatregion als besondere Bezugsgröße. 14 % geben wiederum an, dass ihr eigenes Leben durch die Benelux-Kooperationen beeinflusst wird. 7 % der Befragten erklären, dass keiner der genannten Aspekte für ihre Meinungsbildung relevant ist.

In den Niederlanden zeigt sich ein ähnliches Muster. Auch hier wird die Betrachtung der Benelux-Staaten als Ganzes mit 54 % am häufigsten genannt. Die Heimatregion gilt für 19 % der Befragten als Gebiet, auf das Einfluss genommen wird. 8 % sehen einen Zusammenhang mit ihrem eigenen Leben, während ein vergleichsweise größerer Anteil von etwa 19 % angibt, dass keiner der genannten Aspekte zutrifft.

In Luxemburg bleibt die Makroebene ebenfalls der wichtigste Einflussfaktor. 48 % der Befragten nennen diesen Aspekt. 30 % sehen ihre Heimatregion als entscheidende Sphäre. 22 % geben an, dass ihr eigenes Leben ihre Meinung prägt, wohingegen die Antwortoption, dass keiner der genannten Aspekte zutrifft, von keinem Teilnehmenden gewählt worden ist.

Bei den Befragten aus anderen Ländern ist die Verteilung etwas ausgeglichener. Ein Drittel gibt die nationale Ebene als vornehmliche Bezugsgröße an. Ein weiteres Viertel nennt ihr eigenes Leben als relevanten Faktor. Die Heimatregion spielt für 20 % eine Rolle. Etwa 22 % der Befragten geben an, dass keiner der genannten Aspekte ihre Meinung beeinflusst.

Interesse an den Projekten in der Benelux-Union

Anhand des abschließenden Items wurde bestimmt, inwiefern sich die Befragten für die grenzüberschreitenden Projekte der Benelux-Union interessieren.

Abb. 13

In Belgien zeigt sich ein moderates Interesse an den grenzüberschreitenden Projekten. 16 % der Befragten stimmen der Aussage voll und ganz zu, während 51 % angeben, dass sie eher zutrifft. Demgegenüber stehen 21 %, die eher nicht interessiert sind, sowie 12 %, die gar kein Interesse bekunden. Insgesamt überwiegt somit eine zustimmende Mehrheit von 67 %, wenn auch mit einem deutlichen Anteil an zurückhaltenden oder ablehnenden Haltungen.

In den Niederlanden ist das Interesse etwas differenzierter verteilt. 14 % stimmen voll und ganz zu, während 36 % angeben, dass die Aussage eher zutrifft. Gleichzeitig bilden die ablehnenden Antworten mit 51 % eine knappe Mehrheit: 18 % äußern eher kein Interesse, und 32 % geben an, sich gar nicht für solche Projekte zu interessieren.

In Luxemburg ist das Interesse an grenzüberschreitenden Projekten am stärksten ausgeprägt. 42 % der Befragten stimmen der Aussage voll und ganz zu, und 50 % geben an, dass sie eher zutrifft. Ablehnende Haltungen sind dagegen kaum vertreten: Es gibt keine Nennung bei „eher nicht“, und nur 8 % geben an, gar kein Interesse zu haben, wodurch sich ein klares Bild hoher Zustimmung ergibt.

Bei den Befragten aus anderen Ländern zeigt sich mit 74 % ebenfalls eine mehrheitlich zustimmende Haltung: 26 % stimmen voll und ganz zu, während 49 % angeben, dass die Aussage eher zutrifft. Dem stehen 14 % gegenüber, die eher nicht interessiert sind, sowie 11 %, die gar kein Interesse bekunden.

Interpretation und Diskussion

Die für jede ausgewertete Subskala ermittelten Cronbachs Alpha-Koeffizienten als Maß der Inter-Item-Reliabilität weisen im Durchschnitt einen Wert von 0,828 auf und bewegen sich somit im Bereich einer guten, teilweise auch sehr guten internen Konsistenz. Dieses Ergebnis belegt auf statistischer Ebene, dass die Items der verschiedenen Skalen eng miteinander zusammenhängen und das zu erschließende Konstrukt der transnationalen Benelux-Identität gemeinsam erfassen.

Auf affektiver Ebene zeichnet sich ein klares und zugleich differenziertes Muster ab. Eine kollektive Benelux-Identität liegt affektiv vor, jedoch tritt sie vornehmlich auf einer sekundären und kontextabhängigen Ebene auf. Der Beneluxraum fungiert in diesem Kontext kaum als eigenständige oder exklusive Identitätskategorie, sondern ist entweder in die nationale Identität oder in eine größere europäische Identität eingebettet, wodurch er ein vermittelndes oder gar intermediäres Identitätsniveau aufweist. Luxemburg, das durch vielschichtige interkulturelle und mehrsprachige Verflechtungen sowie grenzüberschreitende wirtschaftliche Bezüge gekennzeichnet ist und international für seine Diversität und kulturelle Sensibilität bekannt ist, sticht in Hinblick auf die deutliche Ausprägung in allen untersuchten affektiven Indikatoren deutlich hervor, während der Beneluxraum für Belgien und insbesondere für die Niederlande einen eher externen Bezugsrahmen darstellt. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass die affektiven Assoziationen mit dem Beneluxraum überwiegend durch die geografische Nähe sowie durch die gemeinsame Kultur und Geschichte getragen werden, während grenzüberschreitende Kontakte und geschäftliche Verflechtungen für die Menschen eine geringere Rolle spielen. Befragte, die nicht aus einem der Beneluxstaaten stammen, verbinden den Beneluxraum hingegen auch erkennbar mit der Arbeit, was auf die internationale Rolle und Attraktivität dieses ökonomischen Knotenpunktes für ausländische Arbeiter*innen und Grenzpendler*innen hinweist. Hinsichtlich der untersuchten Variablen ‚Verbundenheitsgefühl‘ und ‚Stolz‘ dominiert die Kategorie „eher Zustimmung“, während eine volle Zustimmung mit Ausnahme von Luxemburg deutlich seltener ist und vor allem in den Niederlanden geringer ausfällt. Im Zusammenhang mit den zuvor dargestellten Ergebnissen lässt sich daher vermuten, dass die Benelux-Identität affektiv überwiegend breit ausgeprägt ist, wenn auch weniger tief im Bewusstsein verankert und mit signifikanten Streuungen im Ländervergleich.

Auf kultureller Ebene zeigen sich ausnahmslos moderate Zustimmungswerte für die Existenz eines gemeinsamen Kulturraums, wohingegen die Vertrautheit mit den kulturellen Beziehungen höher ausgeprägt ist. Das Bewusstsein für die kulturellen Verbindungen und deren Bedeutung für eine europäische Identität liegt folglich vor, jedoch sind diese nur begrenzt verinnerlicht bzw. werden sie nicht automatisch als Grundlage eines eigenständigen Kulturraums interpretiert. Im Ländervergleich zeichnet sich ein ähnliches Bild wie auf affektiver Ebene ab: In Luxemburg werden in allen Items Höchstwerte erreicht, gefolgt von den Befragten aus Belgien und den Niederlanden als Schlusslicht, so auch in Hinblick auf die Wahrnehmung einer gemeinsamen Geschichte als Grundlage für ein gegenwärtiges kulturelles Gedächtnis. Die historischen Verbindungen sowie deren Bedeutung für die Gegenwart werden zwar mehrheitlich anerkannt, sie erweisen sich jedoch auf Basis der Werte nicht als stark genug, um ein gemeinsames kulturelles Narrativ zu formulieren.

Im Gegensatz dazu ist die politische und wirtschaftliche Dimension einer Benelux-Identität stärker ausgeprägt und statistisch konsistenter. Die Vertrautheit mit wirtschaftlichen und politischen Beziehungen liegt zwar im mittleren Bereich, jedoch sind die Zustimmungswerte zu den funktionalen Aussagen wie der Bedeutung der grenzüberschreitenden Kooperationen und der gemeinsamen Ziele noch einmal deutlich höher. Diese Kooperationen sowie der Schutz der daraus resultierenden Vorteile werden folglich nahezu einstimmig als integraler Bestandteil der wirtschaftspolitischen Lebenswelt im Beneluxraum angesehen. Auch die Befragten aus anderen Ländern weisen bei diesen Items ähnlich hohe Zustimmungswerte wie die Teilnehmenden aus den Benelux-Ländern selbst auf, wodurch sich hier im Vergleich zur kulturellen Dimension eine höhere externe Anschlussfähigkeit und Sichtbarkeit erkennen lässt. Im Kontrast zu den Ergebnissen der beiden vorherigen Dimensionen entsteht dadurch verstärkt das Bild eines Beneluxraums, der zwar auch als kulturelle Einheit, jedoch insbesondere als leistungsfähiger, ökonomischer Kooperations- und Handlungsraum wahrgenommen wird.

Das abschließende Fragenset zum Bewusstsein für die Vorteile der Benelux-Union unterstreicht vor der Folie dieser Erkenntnisse das sich abzeichnende Muster. So werden die wahrgenommenen Vorteile der Mitgliedschaft insgesamt mehrheitlich bejaht, wobei sich die Befragten aus Luxemburg mit ihrem intensiv ausgeprägten Bewusstsein erneut als Vorreiter zeigen. Jedoch gibt es auch vermehrt neutrale und verhaltene Antworten, insbesondere aus den Niederlanden. Eine grundlegende Einsicht in die mit der Benelux-Union verbundenen Vorteile liegt somit vor, doch scheint diese ungleich verteilt und länderübergreifend verschieden verankert zu sein. Überdies konzentriert sich das Bewusstsein vor allem auf die für die Menschen greifbaren und etablierten Bereiche Wirtschaft, Sicherheit, Gesundheit und Bildung, während zukunftsorientierte Kooperationsfelder wie Energie, Nachhaltigkeit und Digitalisierung in der öffentlichen Wahrnehmung teils unterrepräsentiert sind. Zudem zeigt sich, dass die Mehrheit der Befragten die positiven Auswirkungen der genannten Bereiche auf der nationalen Ebene verortet, während die regionale und individuelle Ebene deutlich seltener als Bezugsrahmen wahrgenommen werden, was darauf hindeutet, dass die Vorteile nur bedingt räumlich oder im individuellen Alltag erfahrbar sind. Das Interesse an den Projekten der Benelux-Union ist abschließend betrachtet moderat bis hoch, mit einer erneuten Varianz innerhalb der drei Länder in der sich bereits zuvor in den anderen Feldern herausgearbeiteten Reihenfolge. Diese Varianz korreliert mit den durch die Umfrage gewonnenen Einblicken in das Bewusstsein für die verschiedenen Vorteile der Union, das in den einzelnen Ländern vorhanden ist. Zusammenfassend werden die Vorteile der Benelux-Union somit überwiegend anerkannt und erweisen sich als im Bewusstsein verankert, jedoch zeichnet sich der Beneluxraum auf dieser Ebene weniger als unmittelbar erfahrbarer Raum ab, sondern eher als ein übergeordnetes, positiv bewertetes Kooperationsgefüge mit punktuell greifbaren Effekten.

Abschließend ist hervorzuheben, dass die auf Basis der erhobenen Daten getätigten Aussagen nicht auf die gesamte Bevölkerung im Beneluxraum extrapolierbar sind und die Stichprobe, die zu großen Teilen aus jungen Menschen besteht, nicht alle existierenden Haltungen und Meinungen repräsentieren kann. Dennoch liefert die Studie wertvolle Einblicke in die Konstitution einer transnationalen Identität im Beneluxraum, aus der mögliche Handlungsüberlegungen abgeleitet werden könnten, z. B. vertiefende Maßnahmen zur erfahrbaren und partizipativen Ausgestaltung der grenzüberschreitenden Kooperationen, insbesondere jenseits der direkten Grenzregionen, sowie zur Förderung interkultureller Dialoge zwischen den Bewohner*innen der drei Länder zur Diskussion des mit der Benelux-Union vorhandenen gemeinsamen Kultur- und Wirtschaftsraums.

Literaturverzeichnis

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Bild von Vincent Liechty (Autor) & Sabine Schmitz (Betreuung)

Vincent Liechty (Autor) & Sabine Schmitz (Betreuung)

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